Impressionen vom 3. GFK Tag

Nachbetrachtung zum 3. Erfurter GFK Tag

von Anja Palitza & Olaf Hartke

Thema: Macht miteinander

Zitat: Unterschätze nie, was eine kleine Gruppe engagierter Menschen tun kann, um die Welt zu verändern. Nichts anderes hat sie je verändert.“ (Margaret Mead)

Beispiel: Der 3. Erfurter GFK-Tag unter dem Motto „Macht miteinander“ fand am 18. November 2017 mit 150 Teilnehmern in Erfurt statt. Auf dem Rückweg nach Hause sprachen wir über unsere Erlebnisse und wie wir die „Macht Miteinander“ empfunden haben.

Information: Die Gewaltfreie Kommunikation unterscheidet zwei Konzepte von Macht: „Macht über Menschen“ und „Macht mit Menschen“. Eine Frage ist in diesem Zusammenhang für uns bedeutsam: Wie ist es möglich, die eigene Macht zu vergrößern und dabei sowohl im Einklang mit den eigenen Werten und Bedürfnissen als auch mit denen der anderen zu handeln?

Dem Fachtag, so wie er stattgefunden hat, ging etwas voraus. Es war eine Anzahl von Menschen nötig, die sich zusammenfinden und die mindestens einen Wunsch gemeinsam teilen. Im Verein „Gewaltfreie Kommunikation Thüringen e.V.“ waren es Menschen, die von den Inhalten der Gewaltfreien Kommunikation überzeugt sind und diese von Herzen mit vielen anderen Menschen teilen wollen.
Aus diesem Wunsch und beflügelt von den Erfahrungen aus den beiden vergangenen Fachtagen, haben sich die Vereinsmitglieder entschieden, erneut einen Fachtag zu organisieren. Und aus dieser Energie heraus, wurden Wege gesucht, diese Idee umzusetzen.
So haben sich letztendlich 18 Trainer/-innen und 17 Helfer/-innen, Gerald Hüther, 3 Personen am Büchertisch, der Dach e.V., zwei Putzfrauen und ein Hausmeister bereit erklärt, an diesem Tag zu wirken und ihre Kraft bereitzustellen, so dass sich 150 Teilnehmer zum Thema Gewaltfreie Kommunikation informieren konnten.

Das Besondere für uns war daran, dass die Menschen freiwillig gegeben haben und sich im Einklang mit ihren Bedürfnissen an der Vorbereitung beteiligen konnten. Es gab kein Oberhaupt, das entschieden und festgelegt hatte. Sondern jeder konnte nach eigenen Ressourcen und Ermessen seinen Beitrag zur Verfügung stellen. Jedoch hatte die Planung auch eine Struktur. So gab es ein Organisationsteam, das die Hauptplanung übernommen hatte und bei Bedarf auf die Hilfe und Unterstützung der Vereinsmitglieder zurückgreifen konnte.

Die Organisierenden hatten das Vertrauen, das genügend beigetragen werden wird; Beitragende hatten das Vertrauen, dass jeder Beitrag willkommen war und es keine Urteile über „nicht ausreichende“ oder „zu geringe“ Beiträge gab. Die gegenseitige Wertschätzung für diese Haltung von Freiheit und Freiwilligkeit war deutlich spürbar.

In der Folge wurden Menschen, die gemeinsam ein Informations- und Lernangebot schaffen wollten, beglückt durch Menschen, die neugierig waren und lernen wollten. Und so standen wir zum Abschluss gerührt in der Aula, schauten auf die anderen Trainer, die Organisierenden, die Helfenden und die Gäste und konnten nicht mehr erkennen, wer die Gebenden und wer die Nehmenden waren. Die Bedürfnisse auf beiden Seiten schienen vollständig erfüllt.

Aktuelles:  Gerald Hüthers Vortrag wurde von einem professionellen Kamerateam aufgezeichnet. Er hat inzwischen zugestimmt, dass der Vortrag nach einer Nachbearbeitung im Internet hochgeladen werden darf. Wir freuen uns sehr darüber und informieren Sie, sobald er im Netz zu finden ist.

 

Ein persönlicher Rückblick

von Doris Deutsch

Zugegeben: ich hab‘ es mehr geahnt als gewusst. Aber nun liegt es glockenklar vor mir. Prof. Hüther, Neubiologe und Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Menschen wie mir, hat es erklärt.

Am 18.11.2017 lauschten anlässlich des 3. GFK-Tages, zu dem der Erfurter GFK-Verein eingeladen hatte, 150 Teilnehmer und Workshopleiter, Aussteller und Helfer seinem Vortrag, der am Vormittag den Auftakt bildete, zu einem Veranstaltungsprogramm, das es in sich hatte.

Musikalisch eingeleitet wurde der Tag stimmungsvoll von den FRÖSIS, deren Name für fröhlich sein und singen, steht. Und dann schilderte Hüther humorvoll, zu welch frühem Zeitpunkt der Mensch, obwohl mit anderen „Zutaten“ und Gaben auf die Welt gekommen, oft bereits seine Gestaltungsmöglichkeiten ruhen lässt, um sich später in einem System zurechtzufinden, nur damit er dazu gehört. Ja, wir reden vom Kind.

Wie schön der Bogen dann zur eigenen Haltung des erwachsenen Menschen, die auch bei der GFK im Mittelpunkt steht, von ihm geschlagen wurde, lässt sich noch einmal wunderbar nachhören. Information dazu in Kürze auf der Vereins-Website.

Zugehörigkeit also, ein Grundbedürfnis aller Menschen auf dieser Welt, einte irgendwie alle, die sich an diesem Tag auf den Weg in das Albert-Schweizer-Gymnasium gemacht hatten.

Es folgten über den Tag verteilt 30 Workshops mit unterschiedlichen Schwerpunkten der GFK, die allesamt gut besucht waren und die Räume summten nur so vor Lebendigkeit, Wissensdurst und Fröhlichkeit.

Damit Leib und Seele gut zusammenpassen, sorgte der BIO-Landmarkt mit leckeren Speiseangeboten, Kaffee und Kuchen für das Wohl aller. Und Bücher- und Informationstische luden im Foyer des Gymnasiums zum Stöbern, Kaufen oder einfach miteinander reden ein.

Für Menschen, die Gestalter ihres Lebens sein wollen und trotzdem in Verbindung mit anderen, ist es kein Ausschlusskriterium, sondern vielmehr das Streben nach Sinnhaftigkeit und Verständigung. Ich persönlich habe diesen Tag genau deshalb als sehr erfüllend erlebt und JA, möchte ich rufen, Herr Rosenberg und Herr Hüther, wir tragen das Licht weiter!

Als gegen 18 Uhr am Abend die Reinigungskräfte und erneut der umsichtige Hausmeister eintrafen, um „klar Schiff zu machen“, war wirklich alles rund. Uns wurde gedankt, dass wir so pünktlich fertig waren und wir dankten, dass es Menschen gab, die nun noch wie die Heinzelmännchen wirkten. Schönen Feierabend später und morgen einen erholsamen Sonntag, sagte ich. Wünschen wir auch, war die fröhliche Antwort!

Ich halte es auch gern mit Robert Gonzales:

Leben braucht keine Hilfe, Leben braucht Raum und Präsenz.

Erfurt 23.11.2017